Objekte Bewegen - suprematistische Situationen eines Weges

 

Der einzelne Punkt wird angestoßen, entwickelt sich zur Linie und schließt sich durch das Hinzufügen diverser Kräfte zur Fläche. Füllung und Farbe formen daraus das schwarze Quadrat. Diese Schnittmenge der Ideen von Wassily Kandinsky („Punkt und Linie zur Fläche“) und Kasimir Malewitsch („Das schwarze Quadrat“) bildet den Grundstein. 

 

In El Lissitzkys „Inkunabel der Neuen Typografie (Erzählung von zwei Quadraten in sechs Konstruktionen, 1920)“ kommt einem schwarzen und einem roten Quadrat die Aufgabe zu, das vorherrschende Chaos auf der Erde zu beseitigen und eine neue Ordnung zu schaffen. In diesem Kinderbuch, das als Sehreise und Erlebnisraum dient, wird das choreografische Element bereits in den Fokus gerückt. OBJEKTE BEWEGEN führt diesen Gedanken weiter indem es den aktiv handelnden Menschen mit einbindet und auf das Umfeld der Stadt überträgt. Dies geschieht durch den gezielten Einsatz „choreografischer Objekte“ (William Forsythe) an ausgewählten Orten im öffentlichen Raum die, auf einer unsichtbaren Linie angeordnet, ein „neues Erleben“ des Weges ermöglichen. 

 

Auf vorherrschende Atmosphären und Relationen im Stadtraum eingehend verändern die Objekte situativ die Konstellationen von Mensch und Ort. Durch Irritation und Störung wird ein Achtsamkeitsmoment erschaffen und die gewohnte Wahrnehmung der Orte verändert, was die Choreografie des Weges maßgeblich verändert: Überdimensionale, schwarze Kugeln regen zum interaktiven Spiel auf der Straße an. Deren Schwung wird von einer Linie, geformt aus diversen Materialien, aufgegriffen und weitergeführt: ein multisensorischer Erfahrungsraum entsteht. Onomatopoetische Worte und Klänge wie „pst“ und „schhht“ fordern am lauten und hektischen Bahnhof zu Ruhe und Besinnung auf. Vor dem Bahnhof erhebt sich die Linie in konvexen und konkaven Ausformungen zu einem Weg, auf dem das bewusste Setzen einzelner Schritte im Vordergrund steht. Während in der Enge des Léopold-Carées responsive Wände das vorherrschende Gefühl der Beklemmung intensivieren und auflösen, zeigt eine Komposition aus geometrischen Formen auf transparenten Fahnen durch Überlagerungen einen neuen Blick auf den Theaterplatz. Wenige Schritte entfernt wird der Körper durch Hüpfen, Hopsen, Schwingen und Springen in neue Positionen gebracht und eröffnet neue Sichtweisen auf das umgebende Geschehen. Ein Spiel mit Licht, Schatten, Mensch und Form findet im Stadtpark statt, indem interaktive Lichter die Bewegungen der Passanten einfangen und transformieren.

 

 

Arbeit von: Ruven Wiegert, Miriam Hausner, Lara Bechauf, Lilli Lake, Marie-Christin Schlangen, Marie Longjaloux, Rosa Morgenstern Betreuung: Prof. Gabi Schillig;

Visuallisierung: Ruven Wiegert;

Fotos: Marie-Christin Schlangen